Drei ausgezeichnete Maturitätsarbeiten – drei Interviews

Die Ausstellung ausgezeichneter Maturitätsarbeiten im Lichthof der Universität Zürich zeigt einmal mehr, mit wie viel Leidenschaft und Inspiration Zürcher Mittelschülerinnen und Mittelschüler ans Werk gehen. 50 von rund 2500 Arbeiten, die jedes Jahr verfasst werden, sind hier zu bestaunen, und fünf von ihnen erhielten anlässlich des Festaktes den Spezialpreis der Jury in der Höhe von 1000 Franken.  

Impuls Mittelschule hat die Gelegenheit genutzt und drei ausgezeichneten Autorinnen und Autoren jeweils drei Fragen gestellt.

Mit der Maturitätsarbeit haben Sie Ihre erste grosse selbständige Arbeit verfasst. Was hat Ihnen dies gebracht, und was haben Sie dabei gelernt?
Laura Peter: Das Verfassen einer grossen selbstständigen Arbeit schärfte mein Bewusstsein für die Vielschichtigkeit von gesellschaftlichen Prozessen. Ich habe es sehr geschätzt, mich über einen längeren Zeitraum vertieft mit einem Thema auseinanderzusetzen, dieses umfassend auszuleuchten und einen Schritt über den regulären Unterricht hinaus zu machen. In meinem Fall wähnte ich mich in einem neuen Arbeitsumfeld im Stadtarchiv Zürich, das ich sehr genossen habe. Hinter einer solchen Arbeit steht niemals nur die Verfasserin, sondern gerade auch die Menschen, welche den Zugang zu den Quellen erst ermöglichen. Wichtig war auch die Unterstützung meines Referenten, um diesen Schritt zu machen. Im Rahmen der Maturitätsarbeit habe ich verschiedene Arbeitstechniken besser kennengelernt. Angesichts des umfassenden Quellenbestands war es unerlässlich, ein System zu schaffen, um die Quellen effizient erfassen zu können und auszuwerten. Zudem übte ich mich darin, Interviews mit Politikern zu führen, aus denen spezifische Antworten zu meinen Fragen resultierten.  

Tabea Patt: Non scholae sed vitae discimus! Wie es so schön heisst: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Dieser Satz trifft auch auf meine Maturitätsarbeit zu. Denn die Maturitätsarbeit hat mir die Möglichkeit geboten, ein selbst gewähltes Thema intensiv zu vertiefen. Anfangs tauchte ich in eine mir eher unbekannte Welt ein. Durch das Sammeln von Informationen und das Übersetzen unzähliger Texte habe ich immer mehr erfahren und war fasziniert von der Chirurgie in der Antike. Durch das Verfassen der Maturitätsarbeit bin ich in ein neues Thema eingetaucht und habe Herzblut dafür entwickelt. Dies dient mir als Hintergrund für mein Studium der Medizin. Ausserdem hatte ich dadurch die Möglichkeit, mich intensiv der lateinischen Sprache zu widmen.

Nikola Hajdin: Während meiner Maturarbeit habe ich in vielerlei Hinsicht dazugelernt. Als ich mir das Thema ausgesucht hatte, wusste ich sehr wenig über Nanotechnologie. Während der Arbeit habe ich mir viel fachliches Wissen angeeignet, was mir in Zukunft zweifellos von Nutzen sein wird. Noch wichtiger scheint mir aber die Erfahrung zu sein, mir ein neues Thema theoretisch, aber auch praktisch im Labor erarbeitet zu haben: Forschung in diesem Sinne macht nicht nur Spass, sie ist auch harte Arbeit, in der man Durststrecken durchlebt, weil die erhofften Resultate ausstehen. Diese Arbeit hat mich Ausdauer gelehrt.

Ihre Arbeit wurde von «Schweizer Jugend forscht» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung, und was versprechen Sie sich davon?
Laura Peter: Die Auszeichnung ist eine schöne Anerkennung der vielen Stunden, die hinter dieser Arbeit stecken. Was ich auch sehr geschätzt habe, ist der Austausch mit jungen Erwachsenen aus der ganzen Schweiz, die ähnliche Interessen haben. Ich hoffe, dass mir diese Auszeichnung Türen öffnen wird, um meinen eignen Weg zu gehen. Zudem hat sie mir ein Netzwerk beschert, das aus Gleichgesinnten, aber auch Expert/innen besteht, welches ich in Zukunft nutzen kann.

Tabea Patt: Das ist natürlich einerseits eine grossartige Anerkennung und zusätzlich auch ein Ansporn zu sehen, dass meine Maturitätsarbeit auch bei «Schweizer Jugend forscht» Anklang findet. Ich weiss noch gar nicht genau, was mich erwartet, aber ich freue mich sehr, wissenschaftlich tätig sein zu können.

Nikola Hajdin: In erster Linie fühle ich mich geehrt und ich bin glücklich darüber. In zweiter Linie freut es mich, dass meine Maturarbeit bereits die zweite Arbeit sein wird, die ich bei «Schweizer Jugend forscht» anmelden werde. Die erste Arbeit zum Thema Schwarze Löcher wurde 2016 von «Schweizer Jugend forscht» ausgezeichnet. Erfahrungsgemäss macht das Mitmachen bei «Schweizer Jugend forscht» viel Freude und ist sehr lehrreich. Natürlich würde es mich freuen, wenn ich auch für meine Maturitätsarbeit eine Auszeichnung beim Wettbewerb erhalten würde.

Hat das Verfassen der Maturitätsarbeit (und die Wahl des Themas) einen Einfluss auf Ihre Studienrichtung und den geplanten beruflichen Werdegang?
Laura Peter: Die Wahl meines Themas hat mir gezeigt, dass ich die Erkenntnisse aus der historischen Forschung nicht nur spannend, sondern auch unerlässlich finde, um heutigen gesellschaftlichen und politischen Prozessen zu begegnen und diese einschätzen zu können. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Sparpolitik des Kanton Zürichs. Der Zürcher Regierungsrat hat im Rahmen der Leistungsüberprüfung 2016 entschieden, die Subventionierung der dezentralen Überlebenshilfe einzustellen. Er begründet dies mit dem Hinweis, die Situation von suchtmittelabhängigen Menschen habe sich stark verbessert. Wer die Geschichte der Zürcher Drogenpolitik kennt, weiss, dass dies ein Rückschritt bedeutet. In Bezug auf die Studienrichtung habe ich mich (noch) nicht für die Geschichte entschieden. Fest steht, dass ich eine Studienrichtung im Bereich der Geisteswissenschaften anstrebe. Meinen beruflichen Werdegang habe ich aber noch nicht geplant – das Leben hat sowieso die Eigenschaft, solche Pläne immer wieder zu durchkreuzen.

Tabea Patt: Es ist umgekehrt: Nicht durch die Maturitätsarbeit wählte ich die Studienrichtung, sondern meine Studienwahl stand schon lange fest. Die Maturitätsarbeit hat mich aber nochmals in meinem Wunsch, Medizin zu studieren, bestätigt, und sie hat mir auch einen spannenden historischen Hintergrund zum Thema Medizin (Chirurgie) geliefert.

Nikola Hajdin: Für mich steht schon lange fest, dass ich Physik studieren werde. Diese Arbeit hat mich darin bestärkt, und ich sammelte wertvolle Erfahrungen für meine Zukunft. Ich denke, dass wir im Gebiet der nachhaltigen Energiegewinnung noch Einiges zu erreichen haben.



Mit Überlebenshilfe aus der Sackgasse – Die Drogenpolitik des Zürcher Stadtrats von 1989 bis 1995

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Von: Laura Peter
Betreuung: Jürg Pleiss
Schule: Kantonsschule Küsnacht


Ende der achtziger Jahre befand sich der Zürcher Stadtrat mit seiner Drogenpolitik in einer Sackgasse. Die offene Drogenszene am Platzspitz in Gehdistanz zum Hauptbahnhof zog täglich Tausende von Drogenkonsumenten aus nah und fern an. Der Platzspitz wurde zu einem Ort des grenzenlosen Elends, und der Gesundheitszustand der Süchtigen verschlechterte sich gegen Ende der 1980er Jahre massiv. 1985 war bereits jeder zweite Drogenkonsument HIV-positiv. Der Handlungsdruck auf den Stadtrat stieg. Grundlage seiner Drogenpolitik war damals das sogenannte 3-Säulen-Modell, das 1975 mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes verabschiedet worden war. Es beruhte auf der Prävention, der Therapie und der Repression. Die menschlichen Dramen, die sich mitten in Zürich abspielten, machten aber deutlich, dass dieses Modell an Grenzen stiess und der Handlungsspielraum erweitert werden musste.

Zwischen 1989 und 1995 gelang es dem Stadtrat, die Drogenpolitik auf ein neues Fundament zu stellen. Die Maturitätsarbeit von Laura Peter geht der Frage nach, welches die Gründe für die drogenpolitische Kurskorrektur des Zürcher Stadtrats während des untersuchten Zeitraumes waren und wie sich diese vollzog. Sie beleuchtet detailliert den Entscheidungsprozess rund um den Aufbau der 4. Säule: der Überlebenshilfe. Mit der 4. Säule wollte man das Überleben der Drogenkonsumenten sicherstellen, den Schutz vor der Ansteckung mit dem HI-Virus verbessern, Gesundheitsschäden eindämmen und ihnen eine höhere Lebensqualität ermöglichen. Mit dem Aufbau eines breiten Angebots an Überlebenshilfe fand der Stadtrat den Weg aus der Sackgasse. Er konnte die offene Drogenszene im Februar 1995 definitiv schliessen. Über die Auswertung der Primärquellen aus dem Stadtarchiv hinaus wurden Interviews mit ausgewählten Zeitzeugen (alt SP Stadtrat Robert Neukomm, alt FDP Gemeinderat Urs Lauffer, Dr. André Seidenberg) geführt, um die Ergebnisse aus den Quellen einzuordnen und Lücken in den Primärquellen zu diskutieren. Eine Gesamtdarstellung des Entscheidungsprozesses in der Drogenpolitik des Zürcher Stadtrats von 1989 bis 1995 ist wissenschaftliches Neuland.



Mens sana in corpore sano - Chirurgie in der Antike

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Von: Patt Tabea
Betreuung: Barbara Suter
Schule: Kantonsschule Hohe Promenade


Ausgehend von ihrem Wunsch, Chirurgin zu werden, fragte sich Tabea Patt, wie es mit der Medizin, vor allem der Chirurgie, in der Antike stand, was man vom menschlichen Körper und seiner Funktion wusste, wie man Krankheiten und Verletzungen behandelte und ob die vielen lateinischen und griechischen Fachausdrücke in der Medizin aus der Antike stammen. Tabea Patt las sich ein in die der antiken Medizin zugrundeliegenden Theorien und Vorstellungen und wandte sich dann medizinischen Texten zu. Speziell beschäftigte sie sich mit dem Werk «De medicina» von Celsus. Weil ihr die existierende Übersetzung ins Deutsche zu ungenau war, übersetzte sie grosse Teile selbst. Auch Textstellen anderer Autoren las sie im Original und übersetzte sie. Sie verglich antike Vorgehensweisen mit modernen. Es gelang ihr sogar, einer Operation (laparoskopische Hysterektomie) beiwohnen zu dürfen. Tabea Patt stellte fest, dass in manchen Bereichen grosse Unterschiede zwischen
damals und heute bestehen (Kenntnis der Organfunktionen, Hygiene, Anästhesie), andererseits die heute verwendeten Ausdrücke aus der Antike stammen, manche Instrumente (z.B. Skalpelle) und Vorgehensweisen unverändert sind, bis hin zur Lagerung der Patientin für die Hysterektomie.



Quantenpunkt-Solarzelle

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Von: Nikola Hajdin
Betreuung: Samuel Byland
Schule: MNG Rämibühl


Wir leben in einer Gesellschaft mit einem ständig wachsenden Energiebedarf. Eine Möglichkeit, diesem Energiebedarf nachzukommen, besteht in der Nutzung der Solarenergie. Diese wird durch die direkte Konversion von einfallendem Licht in elektrische Energie umgewandelt. Diese Energieproduktion wurde möglich durch die Entdeckung und anschliessende Erklärung des photoelektrischen Effektes, auf dem Solarzellen basieren. Heutige kommerzielle mehrschichtige Zellen erreichen die Effizienz von bis zu 35%, was weit unter dem theoretischen Limit (ca. 85%) liegt. Bei einschichtigen Solarzellen liegt das theoretische Limit bei 33%. Durch den Gebrauch von Quantenpunkten könnte die Effizienz von Solarzellen stark verbessert werden. Quantenpunkte oder sogenannte Quantum Dots sind Halbleiternanokristalle, die wegen ihrer geringen Grösse spezifische Eigenschaften aufweisen. In dieser Maturitätsarbeit wurden funktionsfähige Quantenpunkt-Solarzellen mit unterschiedlichen Parametern hergestellt und vermessen.